Forschungsprojekt „Der sympathische Hausgenosse für alleinlebende Senioren“

Am 25.6.2018 findet ab 10:00 Uhr in der AWO Begegnungsstätte „Heckenrose“, Heckenrosenweg 2 in 99097 Erfurt, die Abschlusspräsentation des Verbundprojektes SYMPARTNER statt. Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als 1,7 Millionen Euro im Programm „Sozial- und emotionssensitive Systeme für eine optimierte Mensch-Technik-Interaktion“ geförderten Projektes ist es, alleinlebende Senioren mit Hilfe eines autonomen, mobilen Companion-Roboters in ihrem Alltag zu unterstützen und so zu ihrem Wohlbefinden beizutragen. Grundlage für die Visualisierung des Roboters ist PAUL von CIBEK. Die eingesetzte Sensorik und Aktorik für die Nutzererfassung wird von Jäger Direkt geliefert.

In dem gut dreijährigen Forschungsprojekt (4/2015 – 6/2018) wurden die Gestaltung und die Hard- und Software für einen ganz neuen, für den häuslichen Einsatz geeigneten, sympathischen Companion-Roboter entwickelt und darauf basierend sozialwissenschaftliche Fragestellungen zur Wirksamkeit, Motivation, Gebrauchstauglichkeit und Akzeptanz evaluiert. Seit Dezember 2017 wurde der autonome Roboter in 20 Seniorenhaushalten in Erfurt eingesetzt. Nutzer konnten ihn jeweils eine Woche lang zuhause erproben. Dies ist sowohl aus technischer als auch sozialwissenschaftlicher Sicht ein großer Schritt in Richtung des Einsatzes von Robotern im privaten häuslichen Umfeld: Derartige, wirklich autonom agierende robotische Begleiter sind in den Haushalten älterer Menschen in Europa und auch weltweit auf Grund der bislang unzureichenden Autonomie der sonst eingesetzten Roboter bisher kaum erprobt. SYMPARTNER setzt mit einer Dauer der Feldtests von 20 mal einer Woche auch international neue Maßstäbe.

Insgesamt wurde das Projekt von sieben Projektpartnern getragen. CIBEK verantwortete die Softwareentwicklung für die Kommunikation des Roboters mit dem Nutzer mithilfe eines angepassten PAUL-Systems, die Bereitstellung der Servicefunktionen und stellt Aktorik und Sensorik (Bewegungsmelder) von Jäger Direkt zur Verfügung. Die Firma MetraLabs GmbH (Ilmenau) war Koordinator des Vorhabens und entwickelte die Roboterplattform, die TU Ilmenau war für die autonome Navigation in der Wohnung und die Nutzerwahrnehmung des Roboters zuständig, die Uni Siegen entwickelte die Robotergestalt und ein neuartiges Interaktionskonzept, das SIBIS Institut für Sozialforschung (Berlin) war zuständig für die Evaluation des Robotereinsatzes in der Häuslichkeit, und die AWO Thüringen sowie die ARTIS Servicewohnen GmbH (Erfurt) als assoziierter Partner organisierten den Feldversuch in ihren Servicewohnanlagen. Betreut wurde das Vorhaben vom Projektträger VDI/VDE Innovation und Technik GmbH Berlin.

Was kann SYMPARTNER, der freundliche Hausgenosse?

  • Er kommt, wenn er gerufen wird und steht mit seinen umfangreichen Serviceangeboten jederzeit zur Verfügung (Zeitung lesen, Musik hören, Videos gucken, einfacher Internetzugang, Videotelefonie).
  • Er spricht die Menschen persönlich an und erkundigt sich mehrmals am Tag nach ihrem Befinden („Guten Morgen Lotte, hast du gut geschlafen?“).
  • Er macht von sich aus Angebote, um den Alltag aufzulockern („Horst, darf ich dir einen Witz erzählen?“ „Huiii, ich habe Lust zu tanzen. Katrin, hast Du Lust mitzumachen?“)
  • Er erinnert an Termine, Medikamente und daran, regelmäßig zu trinken.
  • Er unterstützt kognitive Fähigkeiten und ist trotz altersbedingter motorischer oder kognitiver Einschränkungen intuitiv bedienbar.
  • Er verabschiedet sich, wenn sein Besitzer das Haus verlässt und begrüßt ihn, wenn er zurück kommt („Schön dass du wieder zurück bist, Evelyn“).
  • Er hat unbegrenzt Zeit und Geduld und trägt durch humorvolle Dialoge, Bewegungen (Ohren wackeln, Kopf nicken) und Geräusche zur Erheiterung und zur guten Laune bei.
  • Er bereichert den Alltag durch überraschende Effekte und unerwartete Anregungen und Aktionen („Heute ist schönes Wetter, möchtest du nicht etwas spazieren gehen?“)

Die Erprobung in 20 Haushalten in der Altersgruppe 62 bis 94 Jahre (Durchschnittsalter 72) liefert aus technischer, sozialwissenschaftlicher und nutzerorientierter Sicht wichtige Erkenntnisse über die besonderen Herausforderungen in der Häuslichkeit. Die Ergebnisse der Langzeitstudie zeigen, wie Senioren ihren häuslichen Alltag mit einem Roboter-Companion gestalten und wie schnell sie sich an den neuen Hausgenossen gewöhnen. Die überwiegende Mehrheit der Befragten empfindet den Roboter als Bereicherung ihres Alltags: SYMPARTNER bringt Abwechslung in die tägliche Routine und fördert durch seine Anregungen das Wohlbefinden und letztlich die Lebensqualität. Dem sympathischen Roboter scheint es zu gelingen, die Gefahr der Einsamkeit ein wenig zu lindern.

Hintergrundinformationen zum Projekt
Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Alleinlebenden zu: Während in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen der Anteil der Alleinlebenden 24 % der Frauen und 19 % der Männer alleinleben, sind es in der Altersgruppe 85plus 74% der Frauen und 34 % der Männer. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt das Gefühl der Einsamkeit für viele allein-lebende Menschen zu. Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass sich dies nicht nur negativ auf die Lebenszufrie-denheit, sondern ebenfalls negativ auf die physische und die psychische Gesundheit und letztlich auf die Lebenserwar-tung auswirken kann. Das Problem der Einsamkeit im Alter ist ein wichtiges, aber häufig tabuisiertes Thema; es stellt sich die Frage, ob häusliche Roboter-Companions Abwechslung in den Alltag bringen und zur Lebensqualität im Alter beitragen können.

Dass die Ablehnung gegenüber einem Zusammenleben mit einem Roboter seit der Jahrtausendwende abgenommen hat, zeigen die Zahlen einer vom BMBF in Auftrag gegebenen FORSA-Umfrage. Demzufolge können sich 83 Prozent aller Deutschen vorstellen, im Alter einen Service-Roboter zu nutzen. Drei von vier Befragten sind überzeugt, dass Roboter eine wichtige Rolle in der Pflege übernehmen werden. Im Rahmen von SYMPARTNER wurden 120 Senioren intensiv danach befragt, ob und unter welchen Voraussetzungen sie einen Roboter als Unterstützung zuhause haben wollen. Die überwiegende Mehrzahl kann sich eine Unterstützung durch einen Roboter vorstellen, insbesondere Frauen über 75 Jahren votierten positiv. Fast alle Befragten (96%) wün-schen sich einen Companion, der sie im Alltag unterstützt, vier Fünftel möchten regelmäßig an Termine erinnert werden (80%) und zwei Drittel können sich vorstellen, dass ein Roboter ihr alltägliches Gesundheitsverhalten unterstützt (z.B. Trinkerinnerung oder kognitive und motorische Anregungen). Über die Hälfte der Senioren kann sich vorstellen, mit diesem Alltagshelfer zu kommunizieren und mehr Freude im häuslichen Alltag zu haben.

Die Partner im SYMPARTNER-Projekt
Die MetraLabs GmbH Neue Technologien und Systeme (Ilmenau), Verbundkoordinator des SYMPARTNER-Projektes, ist spezialisiert auf die Entwicklung serienreifer, autonomer, mobiler sowie interaktiver Indoor-Serviceroboter. Unter anderem ist sie technologieführend bei interaktiven, mobilen Serviceguides wie Shoppingroboter und Inventurrobotern.
Ansprechpartner: Dr. Andreas Bley; Geschäftsführer MetraLabs GmbH und Verbundkoordinator, Tel: +49 3677 667 431 11

Das Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik der Technischen Universität Ilmenau ist seit Mitte der 90er Jahre erfolgreich in der Robotik-Forschung tätig. Die Schwerpunkte des Fachgebietes liegen im Bereich intelligenter Service- und Assistenzroboter, die über Lernfähigkeit, Adaptivität und autonome Navigationsfähigkeit verfügen und mittels fortgeschrittener Mensch-Maschine-Schnittstellen eine intuitive Mensch-Roboter-Kommunikation in öffentlicher und häuslicher Einsatzumgebung ermöglichen.
Ansprechpartner: Prof. Dr. Horst-Michael Groß, TU Ilmenau, Leiter Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik, Tel.: +49 3677 69 2858

Die Firma CIBEK Technology + Trading GmbH entwickelt und vertreibt Software im Bereich der Gebäudeautomation sowie von AAL-Produkten für ältere Menschen, wie z. B. das Unterstützungssystem „PAUL“, dessen Software und Leistungsspekt-rum eine wichtige Grundlage für den Sympartner darstellt.
Ansprechpartner: Bernd Klein, Geschäftsführer CIBEK GmbH Limburgerhof, Tel.: +49 6236 479 630

Die Universität Siegen, Institut für Wirtschaftsinformatik mit dem Team “Erlebnis und Interaktion” forscht an der Naht-stelle von Psychologie, Interaktionsdesign, Industriedesign und Informatik. Im Sympartner-Projekt war die Gruppe zustän-dig für die Entwicklung der Gestalt und des Interaktionsdesigns.
Ansprechpartner: Prof. Dr. Marc Hassenzahl, Universität Siegen, Leiter Ubiquitous Design / Erlebnis und Interaktion, Tel.: +49 271 7405284

Das SIBIS Institut für Sozialforschung und Projektberatung GmbH in Berlin ist Spezialist für Innovationsforschung aus Nut-zersicht. Unter der Leitung von Dr. Sibylle Meyer war das Institut zuständig für die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik, insbesondere die nutzerorientierte Gestaltung des Roboters sowie die Begleitung und Evaluation der Erprobung des Sympartners in 20 Haushalten.
Ansprechpartnerin: Dr. Sibylle Meyer, Leiterin des SIBIS Instituts für Sozialforschung & Projektberatung GmbH, Berlin, Tel.: +49 30 33 00 723-0

Die AWO Alten-, Jugend- und Sozialhilfe gGmbH (AJS) in Erfurt ermöglichte die Erprobung des Roboters in den Service-wohnanlagen der AWO Erfurt und übernahm die soziale Betreuung der Senioren, die sich für ein Zusammenleben mit einem Roboterassistenten zur Verfügung stellten.
Ansprechpartnerin: Sabine Spittel, Bereichsleiterin Geschäftsfeld Altenhilfe der AWO AJS gGmbH Erfurt, Tel.: +49 361 210 31152

Weitere Informationen über SYMPARTNER im Internet: http://sympartner.de